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Uganda

 

Pünktlich gegen 2.15 Uhr a.m. starteten wir in Richtung Ostafrika. Vom Flug hatten wir nicht sehr viel, da es bis kurz vor der Landung dunkel war. Wie immer ist die Temperatur im Flugzeug auf -20° eingestellt, damit die Passagiere auch schön frisch am Ziel ankommen. Das Flugzeug war ein großer Airbus, indem aber die meisten Plätze frei waren und deshalb viele Leute die Gelegenheit wahrnahmen sich auf den freien Bänken in der Mitte lang zu legen.

Gegen 7.00 Uhr treffen wir in Entebbe / Uganda ein. In der Bank am Flughafen haben wir erst mal 50.00 US-Dollar getauscht und einen Sack voll UShl. dafür bekommen. Die Taxifahrer am Flughafen wollten davon die Hälfte haben, um uns die 40 km nach Kampala zu bringen, worauf wir uns aber nicht eingelassen haben. Dies erschien uns doch ziemlich Überzogen und wir handelten einen Preis von 500 UShl. (ca. 1.00 DM) für eine Fahrt nach Entebbe aus. Dort haben wir uns ein relativ billiges Hotel für 7000 UShl. die Nacht genommen. Ein junger Schwarzer Namens Robert, der uns das Hotel gezeigt hatte, machte mit uns noch einen Rundgang durch Entebbe. Der Ort ist sehr weitläufig angelegt. Als er uns dann noch den "Botanischen Garten" zeigen wollte, mussten wir Ihn zügeln, denn wir waren vom Flug ziemlich mitgenommen. Auf dem Rückweg haben wir noch etwas getrunken und eine Portion Fritten gegessen. Das Preisniveau in Uganda ist fast das gleiche wie in Deutschland. Für uns bedeutet dies wieder eine gewaltige Umstellung, da wir uns auf das billige Preisniveau in Ägypten eingestellt hatten. Zudem gab es hier dummerweise kein Wasser in Flaschen zu kaufen, nur Cola, Fanta, Sprite, etc., etc... einfach nur grauenhaft dieses süße Zeug. (Preis. ca. 1.00 DM)

31.10.1993 Sonntag

Erst gestern hatten wir Robert über den Autokauf gesprochen und heute werden uns schon die ersten zwei Wagen vorgeführt. Ich bin nicht so begeistert, da man uns für über 2000.00 US-Dollar scheinbar nur Schrott anbietet. Man muss wohl froh sei, wenn das Auto vier Reifen hat, geradeaus fährt und die Bremsen halbwegs funktionieren. Bei der Probefahrt mit den Vehikeln (hier Begriff für Fahrzeug mit vier Rädern) "loose" ich ganz schön ab, vor allem weil man neben dem Linksverkehr und dem seitenverkehrten Cockpit sehr auf Schlaglöcher, Kühe, Ziegen, Hunde und Kinder achten muss.

 

Um uns selbst ein Bild von dem Gebrauchtwagenmarkt zu machen, fahren wir mit dem Sammeltaxi für je 900 UShl. nach Kampala. Dort finden wir auch eine Bank, die die Eurocard akzeptiert. Damit wäre die erste Hürde "Wie bekommen wir wieder bares ?" genommen. Bei unserem weiteren Rundgang werden uns einige brauchbare Wagen gezeigt. Nach unserer Meinung besitzt ein roter Nissan mit Beulen in den Türen für 2500 US-Dollar das beste Preis-/Leistungsverhältnis. In diesen Wagen haben wir uns sofort verliebt, so dass wir am Abend den beiden Besitzern der Vehikel vom Vortag einen Korb geben können. Robert ist ein bisschen geknickt, da ihm wahrscheinlich das Geschäft seines Lebens durch die Lappen gegangen ist, doch er nimmt es uns nicht übel.

Wir haben uns am Abend noch gut unterhalten. Komischerweise scheint es die Einheimischen zu belustigen, dass wir unser Zelt im Zimmer aufgebaut haben und unser Wasser zum Entkeimen durch ein komisches Teil pumpen. Wir kommen uns ein bisschen wie Exoten vor.

 

In Kampala führen wir die letzten Verhandlungen mit dem Nissan-Händler. Für 2600.00 US-Dollar erhalten wir den Zuschlag für den roten Flitzer, inkl. Versicherung, Steuer, Anmeldung und einiger kleinerer Reparaturen. Am Freitag kann nun die Tour de Ostafrika beginnen. Zur Geldübergabe gehen wir mit dem Verkäufer und einem Leibwächter über die Straße zur "Barclays Bank" und ordern mit der Eurocard die 2600.00 US-Dollar, oder 3.013.000 UShl.. Da in Uganda der größte Schein der Tausender ist, packt der Kassierer 3013 Geldscheine in zwei Plastiktüten und überreicht sie dem Nissan-Händler -- damit ergeben sich ziemliche Schwierigkeiten bei größeren Geschäften in Uganda --. Am Nachmittag haben wir dann den Wagen umgemeldet, wobei Uwe eine Adresse in Uganda angeben musste. Der Nissan-Händler ist so freundlich und stellt uns seine Adresse in Kampala zur Verfügung. Nach einer ziemlich "harten" Probefahrt durch Uwe verabschieden wir uns bis Freitag. Morgen sollen noch die letzten Reparaturen erledigt werden.

Am Abend sind wir dann noch mit Robert ins Dorfkino gegangen. Das läuft hier so: "Der stolze Besitzer eines Fernsehers (eine Seltenheit in Uganda, da zu teuer) und eines Videorecorders stellt diesen im Hinterhof mit ein paar Bänken auf und kommentiert live und in Suaheli einen amerikanischen Spielfilm."

Heute wurde ein billiger Ramboverschnitt gezeigt.

 

Wir beginnen den Tag ausgeruht und mit einem ausgedehntem Frühstück. Danach nutzen wir die Zeit zum Wäsche waschen, welches zur Belustigung aller führt. Da mein Durchfall immer noch nicht überstanden ist, suchen wir einen Arzt auf, der mir eine ganze Reihe an Medikamenten verschreibt. Hoffentlich wird es jetzt endlich besser.

Während unseres genialen Bananen-Mittaggerichtes plaudern wir mit Rose und Robert über Deutschland. Für sie klingt das alles sehr absonderlich. Sie würden am liebsten heute noch fliegen und sich selbst ein Bild von Deutschland machen. Dies wird für über 99% der Einheimischen nie der Fall sein, da schon der benötigte Aids-Test ein Vermögen kostet, geschweige denn der Flug.

Uwe ist total stolz auf uns, dass wir als Ausländer in einem Land, deren Sprache wir nur zum Teil beherrschen, ein Auto gekauft haben. Außerdem schwelgt er den ganzen Tag in Träumen von der uns bevorstehenden Fahrt mit dem Auto. Wir werden frei sein, wie die Vögel, die es in Uganda zu Hauf gibt. Sogar auf ihrer Nationalflagge ist einer abgebildet. Unsere Rucksäcke müssen wir nicht mehr schleppen und vor dem recht wechselhaften Wetter sind wir auch geschützt. Die zeitweiligen Regenschauer machen die Temperatur allerdings sehr angenehm und am Abend kann man teilweise schon einen Pulli gebrauchen. Um in der Wildnis auch mehrere Tage überleben zu können, kaufen wir uns noch drei drei 20 Liter Kanister, wovon einer für Benzin gedacht ist und die anderen beiden für Wasser.

PS: "Vielleicht kaufen wir uns irgendwann ein Haus in Uganda."

 

Heute ist der große Tag - Wir fahren gut gelaunt nach Kampala. Doch hier wartet das Entsetzen. Unser roter Flitzer ist komplett zerlegt. Trotz allem warten wir noch bis zum Nachmittag beim Nissan-Händler. Erst jetzt erfahren wir, dass die Ummeldung nicht mehr vor dem Wochenende klappt und fahren deprimiert nach Entebbe zurück. Am Abend kommen wieder Rose und Robert vorbei für eine Smalltalk vorbei.

 

Das Wochenende lassen wir sehr ruhig angehen. Nach dem Frühstück wandern wir in den "Botanischen Garten". Dort sehen wir zum ersten Mal freilaufende Affen und Leguane. Die Affen kommen bis auf zwei Meter an einem heran. Als wir eine Ameisenautobahn aus der Nähe betrachten wollen, werden wir fast von ihnen gefressen. Sie beißen sich in Schuhe und Socken fest und lassen nicht mehr los. Jetzt kann ich mir vorstellen, dass diese Ameisen auch zum Klammern von Platzwunden verwendet werden. Es ist verdammt mühsam sie mit einem Stock loszupulen. Leider ist es etwas bewölkt und ein bisschen kühl und außerdem packt uns nach zwei Stunden der Hunger und wir kehren um. Wieder wird unser toller Benzinkocher angeschmissen und wir bereiten uns ein geniale Essen. Die Zeit am Abend vergeht wieder wie im Flug. Robert und Rose sind sehr interessierte Zuhörer.

 

 

Wir werden von einem Regenschauer geweckt und haben erst keine Lust aufzustehen, doch dann packt Uwe der Hunger. Viel mehr konnten wir dann heute nicht mehr unternehmen, da Uwe einen dicken und schmerzlichen Abszess am rechten dicken Zeh hat und er nicht richtig laufen kann. Robert und ich besorgen also alles zum Essen und Robert nimmt für uns einen riesigen Fisch für 1000 UShl. aus, den wir anschließend braten. - Mit Zitrone ein wahrer Gaumenschmaus -

 

Uwe hat seit gestern einen dicken Zeh (Abszess), der wahrscheinlich durch das Reiben eines Insektenstiches im Schuh entstanden ist. Wir gehen also zum Arzt, der Ihm Penicillin verschreibt. Dieses muss er alle sechs Stunden zu sich nehmen. Am Nachmittag fahren wir trotz Uwe’s Schmerzen nach Kampala und holen den Wagen. Leider ist noch immer nicht viel an ihm gemacht worden. Trotzdem fährt Uwe das Auto, weil ich mich in Kampala nicht traue. Wie vermutet wird es der reinste Horror. Nach Uwe: "Die schlimmste Autofahrt in meinem Leben. Das Steuer auf der falschen Seite, alles verkehrt herum, keine Schilder, Mittelstreifen oder sonstiges. Zu guter letzt leitet Thomas mich mit meinem kranken Fuß ins absolute Chaos. Autos, Menschen, Markt --> Ich bin kurz davor durchzudrehen. Aber schließlich schaffen wir es doch noch dem Dschungel Kampala zu entrinnen und gelangen heil im Visitor Club an, wo alle unseren neuen Wagen bewundern.

 

Und wieder müssen wir uns verabschieden. Es ist die zweite tragische Verabschiedungsszene auf unserer Reise. Vor allem Rose ist fast dem Heulen nah. Es wird noch ein letztes Erinnerungsfoto geschossen und dann geht es auf die Reise.

Obwohl alles sehr ungewohnt ist, Uwe fast einen Nervenzusammenbruch erleidet und mir der Schweiß von der Stirn rinnt, erreiche ich souverän (laut Uwe "jeden Radfahrer auf die Haube nehmend") die Werkstatt. Die kleinen Reparaturen am Wagen erweisen sich als größere Probleme, außerdem ist die Ummeldung des Wagens immer noch nicht fertig. Gegen 18.00 Uhr müssen wir unverrichteter Dinge und ziemlich frustriert wieder fahren und hoffen, dass es morgen besser läuft. Um Uwe’s Abszess professionell behandeln zu lassen, fährt jemand bis zum "Rubage Hospital" vor. Dort treffen wir Frau Dr. Petra aus Österreich. Uwe ist heil froh, dass er sich in deutsch verständigen kann, doch auch sie können weiter nichts machen, außer uns auf morgen zu vertrösten.

Nun fahren wir los in die Dunkelheit und suchen ein Nachtquartier. Doch überall herrscht das Chaos - Menschen, Radfahrer, Schlaglöcher und Gegenverkehr der blendet -. Als wir schließlich in eine unserer Meinung völlig verlassene Seitenstraße fahren, vermuten wir nicht, dass auch diese noch rege frequentiert wird. Gerade als wir unser wildes Nachtquartier gefunden haben, kommen noch einige Fahrradfahrer vorbei. Da wir im Augenblick nicht bereit sind irgendwelche Risiken einzugehen, machen wir kehrt und wollen im nächsten Ort nach einer Unterkunft fragen, aber schon nach einigen Kilometern kommen wir in eine Polizeikontrolle. Uns sinkt das Herz in die Hosen: "Ob wohl mit dem Auto alles korrekt ist". Wir haben Glück, es hätte nicht besser kommen können. Den Polizisten erzählen wir, dass wir uns verfahren haben. Dieses stimmt ja auch ein bisschen und schließlich erlauben sie uns bei ihnen im Garten zu kampieren. Die erste Wahl unseres Zeltplatz war echt "Scheiße". Wort wörtlich, denn in dem Baum war eine Kolonie Webervögel, die scheinbar nichts besseres zu tun hatten als 24 Stunden "Online" zu scheißen. Wir ziehen also kurzerhand um und finden endlich doch den dringend benötigten und sehr erholsamen Schlaf.

 

Ohne das etwas passiert, sitzen wir wieder den ganzen Tag in der Werkstatt. Obwohl zwei Mann den ganzen Tag an der Elektrik herumprobieren läuft der Wagen nicht ohne zu rucken. Außerdem haben wir noch immer keine "Road-Licence" und der "Transfer" auf unseren Namen wurde ebenfalls noch nicht durchgeführt. Langsam verlieren wir die Geduld.

Am Abend fahren wir wieder aus Kampala raus Richtung Massaka. Im ersten Ort fragen wir wieder bei der Polizei nach einem Nachquartier. Diesmal wollen sie unseren komplette Lebensgeschichte wissen. Außerdem nehmen sie unsere kompletten Papiere in Verwahrung. Doch dies ist nicht genug - Sie verlangen nach einer Bescheinigung des Tourismusministeriums, welches uns erlauben soll, uns außerhalb von Kampala aufzuhalten. Eigenartig ist nur, dass wir bisher noch nichts davon gehört haben. Sie vertrösten uns auf den nächsten Tag, wo wir dieses Problem mit dem Polizeichef abklären werden. Trotz allem sind alle wieder sehr nett. Sie erlauben uns vor der Polizeistelle zu zelten und gehen mit uns Fisch kaufen.

 

Wir fahren mit einem Polizisten "Detective" zur Hauptpolizei. Dort sehen wir zum ersten Mal eine ugandischen Knast, der völlig überfüllt und verdreckt ist. Hier wollen wir auf keinen Fall landen. Der Vorgesetzte des Detectives ist sehr freundlich und klärt alles auf. Diese sogenannte Aufenthaltserlaubnis benötigt man schon lange nicht mehr. - Alles alte Kamellen - Zum Schluss kommt es noch zu einem kleinem Schwätzchen mit dem "Chef", dabei erfahren wir, dass er schon für etwa einige Monate in Deutschland war und ein wenig Deutsch versteht.

Nun fahren wir mit dem "Detective" noch in die Nissan-Werkstatt. Und siehe da, plötzlich geht alles viel schneller. Um 11.00 Uhr haben wir unsere "Road-License". Dann fährt ein richtiger Techniker noch eine kurze Runde mit dem Wagen und nach fünf Minuten messen mit einem "Ohm-Meter" ist das defekte Kabel gefunden und ausgetauscht. Warum konnte das nicht früher geschehen ?! Wir fahren den "Detective" wieder in seinen Ort und er erlaubt uns auch die nächste Nacht dort zu schlafen.

Um uns ein bisschen zu sonnen, versuchen wir außerhalb des Ortes ein ruhiges Plätzchen zu finden. Doch dies stellt sich als großes Problem heraus. Schließlich finden wir etwas abseits der Häuser eine Wiese und legen uns direkt hin. Doch die Einsamkeit währt nicht lange. Schon nach 15 Minuten versammelt sich eine Horde Menschen um uns und kurze Zeit später fragt einer ob wir Probleme mit dem Wagen hätten. Wir verneinen dies und machen ihm verständlich, dass wir ein bisschen alleine sein wollen. Die Menschenmenge geht also 100 Meter weiter und beobachtet uns von dort.

Am Abend müssen wir dem Hauptpolizisten, dieser war gestern nicht da, noch einmal unsere Lebensgeschichte erzählen und alle unsere schön bunten Ausweise mit den vielen Fotos zeigen. Dafür zeigt er uns auf der Karte eine schöne Route, auf der wir alles sehenswerte in Uganda mitnehmen können.

 

Wir fahren direkt am Morgen in die Werkstatt. Da der Boss noch nicht da ist, machen wir noch einen Abstecher ins Hospital. Dort drücken sie Uwe den Eiter aus dem Zeh und reinigen die Wunde. Dabei gibt Uwe im Gegensatz zu einer schwarzen Frau eine ziemlich schlechte Figur ab. Die Negerin sitzt Uwe gegenüber und lässt sich ohne eine Mine zu verziehen an der offen Brust operieren.

Zurück in der Werkstatt machen wir noch einmal Druck und um 14.30 Uhr ist alles erledigt, der Transfer des Autos auf Uwe ist komplett.

- Wir sind FREI - und unsere "Across - Afrika - Tour - 93" kann beginnen.

In Massaka fragen wir einen Polizisten nach dem Weg nach Mabara. Da er in die selbe Richtung möchte nehmen wir ihn bis nach Lyantonde mit. Dies ist kurz vor dem "Lake Mburo Nationalpark". Da die Polizeistation so toll ist bleiben wir für die Nacht. Direkt werden wir eingehend von Kindern begutachtet. Sie sind voll begeistert von meinen Jonglierkunststücken und von unserer Musik aus dem Autoradio.

PS: Wir haben eine tolle Kassette mit Zaire-Musik von Robert geschenkt bekommen

 

Uwe will unbedingt einmal alleine sein und nicht wie üblicherweise bei jedem Handschlag von einer Horde Menschen oder mindestens von Kindern beobachtet werden. Also fahren wir eine Piste Richtung Hügellandschaft, doch auch dort ist scheinbar keine einsame Stelle zu finden. Alle paar Meter steht eine Hütte. Nach etwa 10 km machen wir schließlich auf einem Hügel halt, der etwas Abseits liegt. Dort fangen wir an zu kochen, aber schon nach wenigen Minuten gesellen sich wieder die ersten Zuschauer zu uns und beobachten unser Treiben aus der Ferne. Mit der Zeit werden es vier Mann. Als wir uns zum Sonnen hinlegen verschwinden sie und wir haben für eine Stunde Ruhe. Dann kommen neue Menschen, die mit uns einen Plausch anfangen. Sie laden uns in ihre Hütte ein und versammeln dort die komplette Familie (in Uganda sind auch mehrere Frauen erlaubt), sowie einige Bekannte und Verwandte in einem Zimmer von 10.00 m2. Wir sitzen also mit 15 bis 20 Personen in diesem kleinen Raum und befragen uns gegenseitig. Dies ist nicht so einfach, da alle Parteien nicht so sonderlich gut Englisch können. Schließlich wird uns der kleinste Nachwuchs des Bauern vorgestellt, der sich noch nicht richtig auf den Beinen halten kann. -Doch Wahnsinn - Sobald die Musik aus einem Ghettoblaster trällert fängt die Kleine an zu tanzen. Die Schwarzen scheinen Musik im Blut zu haben. Sie wollten uns noch zum Essen einladen, doch dies mussten wir ablehnen, weil Uwe heute noch zum Arzt muss. Wir machten noch einige Fotos, tauschten die Adressen aus und verabschiedeten uns.

In der Klinik wurde Uwe richtig gequält. Der in der Wunde sitzende Eiter wurde vollständig von der Ärztin mit einem Skalpell geöffnet, ausgedrückt und die Wunde bis auf den Zehknochen rabiat gereinigt. Dabei schreit Uwe die ganze Klinik zusammen und eine Menge Schwarzer versammelt sich vor der Tür sowie dem Fenster und staunen über den wimmernden "Basungu" (Weißen).

Auch heute unterhalten wir die Kinder der Polizeistation mit Musik und Jonglieren.

 

Heute wollen wir in den "Lake M. Nationalpark". Das Auto wird mit Leuten vollgepackt, die auch noch mitwollen. Dies ist für sie eine seltene Gelegenheit einmal in den Nationalpark zu kommen, da dies ohne Auto scheinbar nicht erlaubt ist. Zuerst fahren wir allerdings noch bei der Klinik vorbei, wo sich Uwe noch einmal quälen lässt. Aber dann geht es los - Schon auf dem Weg dorthin ist die Landschaft total faszinierend. Wir sehen Zebras und Antilopen. Am Eingang erfahren wir dann, dass die Einheimischen 1500 UShl. bezahlen müssen und Ausländer 20 US$. Da dies ein kleiner Nationalpark ist sparen wir uns das Geld für eine bessere Gelegenheit. Wir kehren also um, worüber unsere Mitfahrer sehr traurig und enttäuscht zu seinen scheinen.

Um 15.30 Uhr brechen wir unser Lager bei der Polizei ab und machen uns wieder auf den Weg. Dabei kommen wir durch eine berauschende Landschaft mit vielen grünen und sehr gleichmäßigen Hügeln. Ich habe sie die "Kugelhupflandschaft" (frei nach Pumuckel) getauft. Die Suche nach einer geeigneten Übernachtungsmöglichkeit erweist sich als etwas schwierig und erst in Rubare nach 160 km finden wir eine nette Polizeistation. Auch diese Polizisten sind wieder sehr zuvorkommend und nett.

 

Um 10.00 Uhr brechen wir wieder von Rubare auf. Die Berge werden immer höher und wir entschließen uns einen Abstecher dorthin zu machen. Der Weg war zwar ziemlich schwierig, aber mit unserem Auto und unseren Fahrkünsten kein Problem. Als es dann doch nicht mehr weiter geht liegt ein kleiner Ort direkt vor uns. Sofort werden wir von zwanzig bis dreißig Leuten umlagert. Besonderes Interesse erweckte dabei die Zubereitung von "Schlabber-Sabber" mit frischer Milch. Nach einem Gemeinschaftsfoto machen wir uns zu Fuß auf den Weg. Auf einer kleinen Anhöhe lassen wir uns kurz nieder und direkt kommen die Einheimischen wieder aus allen vier Himmelsrichtungen und gesellen sich zu uns. Wir schienen eine sehr gute Unterhaltung zu sein, denn es wurde sehr viel gelacht. Nach dem Austausch von Mangos gegen Münzen aus Ägypten (in Uganda gibt es keine Münzen) wird noch ein Gemeinschaftsfoto gemacht. Anders als in den Reiseführern angegeben, hier die Schwarzen alles andere als fotoscheu. Sie reißen sich regelrecht darum fotografiert zu werden. Die Fahrt geht weiter durch die Berge, die oft bis in die Spitzen bewirtschaftet werden. An den Straßenrändern wird Obst und Gemüse sowie Fisch angeboten. Als wir an solch einer Verkaufsstelle halt machen, werden wir direkt mit allen Produkten überhäuft. Sie kippen einfach ihre Körbe und Eimer mit Kartoffeln, Möhren und Kräutern durch das Fenster auf unseren Schoß. Von einer schwarzen Frau erstehen wir schließlich einen dicken Bund Mohrrüben. In Kabale angekommen werden zuerst einige wichtige Dinge erledigt. Wir tauschen Geld, lassen Uwes Verband wechseln und kaufen Batterien, Kassetten und eine Waschschüssel. Danach geht es wieder auf die Polizeistation, wo sie allerdings 5000 UShl. für die Übernachtung haben wollen. Bei den fünf anwesenden Polizisten wären das 1000 UShl. für jeden. Wir fahren also registriert und ein bisschen resigniert weiter. Die Straßen werden immer schlechter, es wird dunkel und in keinem folgenden Ort ist eine Polizeistation. Als es immer dunkler wird und wir auf einem sehr schlechten Weg landen, der nach 5 km so schmal und steil wird, dass unser Wagen nicht weiter kommt und die Reifen hoffnungslos durchdrehen, kehren wir um. Mittlerweile ist es so dunkel geworden, dass man nicht einmal mehr die Orte am Wegrand sieht. Schließlich halten wir an einer Kreuzung an, um einfach hier zu übernachten. Vor dem Schlafengehen gibt es noch eine dicke Portion Rühreier mit Brot.

PS: Autositze sind sehr ungemütlich!

 

Wie in den letzten Tagen üblich muss Uwe pünktlich um 0.00 Uhr seine Tabletten einnehmen. Dazu haben wir nur kurz das Licht angemacht, was ein Fehler war. Schon kurze Zeit später hörten wir im Hintergrund Stimmen, die immer lauter wurden. Um jeder unangenehmen Begegnung aus dem Weg zu gehen habe ich kurz meine Fuße aus dem Schlafsack gesteckt und den Wagen gestartet. Nach 500 m haben wir dann wieder angehalten, direkt am Straßenrand. Diesmal wurden wir kein weiteres Mal gestört. Um 6.00 Uhr war wieder Tablettenzeit. Da es im Wagen nicht gerade sehr bequem war machten wir uns langsam fertig und packten unsere Sachen beisammen. Erst jetzt kam der erste Laster vorbei. Wir fuhren noch einige Meter bis zu einer schönen Stelle mit herrlichem Ausblick auf ein nebelverhangenes Tal. Wir frühstückten bei einem wunderschönen, farbenprächtigen Sonnenaufgang. Schon nach wenigen Minuten waren wir wieder von einigen Kindern umringt. Diese haben, wie wir später feststellten, das Taschenmesser und eine komplette Ananas aus dem Auto geklaut. Von jetzt an werden wir etwas vorsichtiger sein und Kinder nicht mehr so nah an den Wagen lassen. Durch dieses Ereignis und die ungemütliche Nacht war Uwe etwas gereizt. Um 8.00 Uhr fuhren wir die Straße weiter. Erst eine Stunde später erfuhren wir, dass wir auf der falschen Straße sind. Wir waren schon fast in Ruanda. Also kehrt und eine Stunde die Sandpiste zurück. Auch die andere Straße erwies sich nicht als viel besser. Auf der Straße lagen bis zu faustgroße Steine und wir kamen uns vor, als würden wir durch einen Steinbruch fahren. Der Tag wurde nicht besser und auch die sehr an den Schwarzwald erinnernde Landschaft konnte uns nicht aufmuntern. Dazu kam noch, dass man die Straße nicht aus den Augen lassen konnte und so nicht sehr viel von der Landschaft mitbekam. Wir verfuhren uns noch ein weiteres Mal und machten dadurch 14 km Umweg (Der Sprit wurde dabei immer knapper). Außerdem lädt die Batterie zeitweise nicht. Wir vermuten irgendwo einen Kabelbruch, so dass der Motor zeitweise Kontakt hat und zeitweise keinen.

In Kihiihi, einem sehr schönen Ort, haben wir dann bei der Polizei Stop gemacht. Sie haben hinter der Polizeistation eine wunderbare Wiese mit einem sehr dicken Baum. Hier schlugen wir unser Zelt auf und stellten unser Auto direkt daneben. Mit einem Polizisten sind wir dann ein halbes Kilo Fleisch (sehr zart, wahrscheinlich Filet) für 500 UShl. und eine neue Ananas kaufen gegangen. Dabei hatten wir ein Problem das Fleisch ohne scharfes Messer zuzubereiten. Im ganzen Ort war kein neues zu kriegen. Am Abend haben wir uns im Schutze der Dunkelheit komplett ausgezogen und noch gut am ganzem Körper gewaschen.

 

 

Heute bleiben wir noch in Kihiihi und machen Waschtag. Die Klamotten haben es mal wieder nötig. Durch die staubigen Straßen bleiben sie auch im Auto nichts sauber, da der Staub durch jede Ritze kommt.

Von zwei Kinder bekommen wir zwei komische Früchte geschenkt. Die eine sieht aus wie eine riesige, gelbgrüne Paprika. Im Innern ist leckeres helloranges Fruchtfleisch. Die andere Frucht ist eine ungewöhnliche Banane mit sehr, sehr gutem Geschmack. Sie ist grün-gelb-rot und mindestens doppelt so dick wie bei uns.

Wir haben den ganzen Tag mit Unterhosen auf der Wiese gelegen und gewartet, dass die Sachen trocknen. Zu unserem Pech regnete es natürlich wieder am Nachmittag und unsere Wäsche war wieder einmal nicht trocken.

Am Abend haben wir noch sechs Briefe, die wir am Nachmittag geschrieben haben einem Polizisten gegeben. Diese wollten er am nächsten Morgen einem Laster mit nach Kabale geben. Da wir keine Briefmarken hatten mussten wir ihm Geld mitgeben. Dies war ein großer Fehler. Irgendwer hat sich wahrscheinlich das Geld eingesteckt und die Briefe weggeschmissen. Wie wir später erfuhren waren dies die einzigen Briefe die nicht in Deutschland angekommen sind.

Zum Schluss sind wir noch etwas durch den Ort geschlendert. Wir haben dabei eine geniale Milchbar gefunden. Hier sitzen die Einheimischen bei Milch und Krapfen, wie bei uns Zuhause in einer Kneipe. Die Milch wird heiß durch ein Sieb mit Tee gekippt und aus Halbliterpötten mit viel Zucker (sehr teuer in Uganda) getrunken. Dies schmeckt so gut, dass wir je drei Pötte trinken.

 

Nachdem die Wäsche trocken war, haben wir uns nach Benzin erkundigt. Man sagt uns, dass es in der Regel in Ischischa, eine Grenzstadt in Zaire, noch Benzin gibt. Die zwei Kids von gestern schenken uns noch einige leckere Früchte und dann brechen wir mit fast leerem Tank die 16 km nach Ischischa auf. Da es, wie in ganz Uganda üblich, keine Beschilderung gibt, verfahren wir uns mal wieder. Wir landen somit im "Queen-Elisabeth-Nationalpark". Da es etwas geregnet hat sind die Straßen sehr rutschig, fast vergleichbar mit Schmierseife. Nach 10 km kehren wir um und schaffen es gerade noch einige relativ ausgewaschene Anhöhen zu erklimmen. Endlich kommen wir mit fast ausgetrocknetem Tank in Ischischa an. Unterwegs haben wir noch einen Lastwagenfahrer aufgesammelt, dessen Lkw liegengeblieben ist. Da der Hauptteil von Ischischa in Zaire liegt fragen wir auf der Grenzstation nach Sprit. Einer der Grenzbeamten erklärt sich bereit für uns in Zaire Sprit zu besorgen. Für uns wäre es zu teuer gewesen, da die Zaire 90.00 US-Dollar für das Visum verlangen. Wir schicken den Polizisten mit einem 20 Liter Kanister los. Leider hat auch diese Aktion keinen Erfolg, der Polizist kehrt ohne Sprit zurück und wir machen uns wieder auf den Rückweg nach Kihiihi. Mit der Panik im Nacken jeden Moment stehen zu bleiben fahren wir so kraftstoffsparend wie möglich. Auf halber Strecke entschließen wir uns im Nationalpark zu übernachten, um die wunderschöne Landschaft zu genießen und weil wir befürchten, dass wir die rettende Polizeistation nicht mehr erreichen. Aufgrund der Einsamkeit dieser Gegend strengen wir uns nicht sonderlich an, den Wagen zu tarnen. Wir fahren den Wagen nur einige Meter in die Büsche und hoffen hier nach Einbruch der Dunkelheit nicht entdeckt zu werden. Doch gerade als wir unseren Wagen im Gebüsch geparkt haben kommt ein Konvoi (Lkw, VW-Bus und Motorrad) vorbei. Wir erklären Ihnen durch zurufen, dass wir keine Probleme haben und die geben sich zum Glück damit zufrieden und fahren weiter.

Am Abend machen wir noch ein kleines Lagerfeuer und grillen dabei Süßkartoffeln. Irgendwie ist es schon ein bisschen unheimlich so alleine in der Wildnis mit all den unbekannten Geräuschen.

 

Um uns weitere Peinlichkeiten zu ersparen fahren wir den Wagen wieder auf die Straße und hoffen, dass Benzin vom Himmel fällt.

- Und tatsächlich - wir Glückpilze - Uwe kommt!!! -

D.h., vor uns hält ein VW-Büschen, auf dem Uwe steht. Uwe ist ein Deutscher, der im Nationalpark arbeitet. Da die Buschtrommeln im Urwald noch funktionieren hat er von unserem Problem erfahren und ist mit seiner Freundin kurz vorbeigekommen um uns 20 Liter Sprit zu schenken. Er hat nämlich in seinem Büschen einen 200 Liter Tank. Wir fühlen uns wie im Paradies und fahren mit den beiden in den Nationalpark. Hier bleiben wir erst einmal - Büffel und Antilopen direkt vor der "Zelttür". Zu unserem Glück fehlte jetzt nur noch ein deutsches Bier und ein gutes Essen. Am Abend wurden wir dann doch tatsächlich von Uwe und seiner Freundin zu einer riesigen Portion Spaghetti und zwei Flaschen Warsteiner eingeladen.

Zufrieden und satt gehen wir dann ins Bett.

 

In Kihiihi ist heute Marktag. Wir machen uns also auf um einzukaufen, um mehrere Tage im neuen Paradies überleben zu können. Unterwegs kommen wir noch an einer Mühle vorbei und kaufen zwei Kilo Mehl für 400 UShl.. Leider stellt sich dies später als Fehlinvestition heraus, da es sich hierbei um Maismehl handelt. Schon auf dem Weg sehen wir alle Leute mit Sack und Pack in eine Richtung laufen, so dass wir den Markt nicht verfehlen können. Wir stellen das Auto hinter der Polizeistation ab und machen uns auf den Weg zum Markt. Dort wimmelt es von Leuten und es gibt fast alles. Wir decken uns mit allem Nötigen ein, z.B. Badelatschen für Uwe, ein "Selfmade Messer", Maismehlplätzchen und noch einige andere Lebensmittel für mehrere unabhängige Tage im Nationalpark. Um möglichst schnell wieder im Paradies zu sein, trinken wir noch schnell einen Pott Milch und machen uns dann auf in den Nationalpark. Mit der frühen Rückkehr wird es allerdings nichts, denn wir bleiben in einem Schlammloch stecken, vordem man uns zuvor noch gewarnt hatte. Zu allem Pech haben wir mit dem Motor aufgesetzt, so dass die Reifen durchdrehen. Nach zwei Stunden schweißtreibender Arbeit haben wir es fast alleine geschafft, als Uwe’s Freundin mit den Parkangestellten vorbeikommen. Sie waren auch auf dem Markt in Kihiihi. Einige Schwarze packen mit an und in "Null Komma Nichts" ist der Wagen frei. Den Rest des Weges bis zum Camp wird noch viel über "diese Basungus" geschmunzelt. Wir fahren direkt weiter zum Fluss und reinigen uns und den Wagen vom Kopf bis zu den Rädern. Das Gebiet am Fluss ist wie ein Garten Eden und wir beschließen morgen den ganzen Tag hier zu verbringen.

 

Wie gesagt so getan. Schon in aller Frühe fahren wir an den Fluss. Das Wetter ist total genial und die Landschaft traumhaft. Für die Parkbesucher wurde ein Pavillon nach Bauart der Einheimischen errichtet. Ich frage mich nur, wer dies hier überhaupt finden soll bei den schlechten Wegen. Uwe erzählt uns später, dass ganz selten ein paar Botschaftsangehörige mit dem Flugzeug eingeflogen werden. Aber gerade aufgrund der Einsamkeit ist es noch einmal doppelt so toll. Wir essen "gut" (Maismehlbällchen in Wasser gekocht - eine Delikatesse) und liegen den ganzen Tag in der Sonne. Zwischendurch erfrischen wir uns in dem reißenden Fluss (ca. 8.00 m breit). Mittags gesellt sich eine Pavianherde zu uns. Sie hängen am anderen Flussufer in den Bäumen und beobachten uns interessiert. Da wir bisher noch keine Hypos zu Gesicht bekommen haben, entschließen wir uns Kurzerhand auf Hypojagd zu gehen, die wir immer hören. Dazu pirschen wir uns durch das Dickicht auf engen Djungelpfaden (wahrscheinlich Flusspferdautobahnen), lediglich mit einem Fotoapparat bewaffnet. Endlich finden wir die Flusspferde in etwa 200 m von unserem Lagerplatz. Wir haben ziemlichen Schiss, aber dennoch begeben wir uns auf eine Sandbank in ihrer Nähe, um geniale Fotos zu schießen. Sie werden schon unruhig, planschen im Wasser und schnauben. Ich springe todesmutig hinter einem Busch hervor, der etwa 5.00 m von ihnen entfernt ist, mache schnell die Fotos und nehme dann meine Latschen in die Hand um schnell davon zu laufen. Am Abend wollten wir noch einmal gut kochen aber unser Benzinkocher fängt an zu spucken und zu rußen, ohne richtig zu heizen.

 

In der Nacht werden wir von trompetenden Elefanten geweckt. Aus diesem Grund machen wir uns in aller Frühe auf Safari. Doch außer einigen Fährten, Scheißhaufen, umgeknickten Bäumen und riesigen Schlammlöchern sehen wir nichts, nur die traumhafte Gegend entschädigt uns ein bisschen. Auf der Rückfahrt sind wir dann mal wieder in einer Schlammkloake steckengeblieben. Diesmal bekamen wir keine Hilfe und mussten uns selbst aus dem Schlamm ziehen. Nach zwei Stunden Maloche haben wir die Fahrspuren mit Zweigen und Erde (zum Glück hat Uwe uns vorher einen Bundeswehrklappspaten geschenkt) so weit aufgefüllt, dass wir dem Morast entrinnen können. Leider haben in dieser Gegend so gut wie alle Bäume Dornen als Fressschutz vor den Tieren. Eine Sache ist deshalb sehr Problematisch: Dornen + Reifen ==> Platten - Am nächsten Morgen stellten wir dieses Malheur fest: "Einer der Reifen ist platt!!!"

Den Tag haben wir dann noch gemütlich am Lagerfeuer mit Röstkartoffeln und Salz ausklingen lassen.

 

Um zwei Uhr in der Nacht weckt mich Uwe mit tierischen Bauchschmerzen auf. Ich habe ihn eine Stunde aufgemuntert bis die Paracetamol wirkte und er wieder einschlief. Sein gemachtes Versprechen nie mehr etwas zu essen warf er direkt am nächsten Morgen wieder über den Haufen. Durch die nächtliche Unterbrechung haben wir etwas länger in den Federn gelegen, so dass die geplante Safari über den "Northern Circle" ausfallen musste. Wir sind also direkt an den Fluss und haben erst einmal wieder unsere Wäsche gewaschen. Zum Mittag gab es von mir selbstgemachte Maismehl-Nudeln. Diese waren leider etwas instabil und glibberig und auch nicht sehr schmackhaft, aber sättigend. In der Dämmerung sah Uwe in der Ferne einen Elefanten. Wir machten uns also sofort auf, ihn zu suchen. Dazu schlichen wir wieder durchs Unterholz, immer auf seiner Fährte. Es wurde immer dunkler, so dass wir die Suche schon abbrechen wollten, als es plötzlich passierte: "Ich tippte Uwe an ohne einen Laut von mir zu geben und zeigte auf einen riesigen grauen Fels in fünf Meter Entfernung". Wir haben uns vor diesem gewaltigen Fleischberg (Hinterteil eines Elefanten) so erschrocken, dass wir ohne ein Foto zu machen auf und davon gerannt sind.

 

Langsam müssen wir das Paradies verlassen, da unsere Mahlzeiten immer spärlicher ausfallen. Leider wächst hier das Essen nicht an den Bäumen und der Honig fließt nicht in den Flüssen. Nachdem wir den platten Reifen gewechselt haben, gibt uns Uwe noch einmal 20 Liter Sprit für die Rückfahrt in die Zivilisation. Außerdem gibt er uns noch einige gute Ratschläge mit auf den Weg. Er meint Neger wollen belogen werden, und je dreister man eine Geschichte erzählt, um so eher glauben sie einem. Er selbst fährt schon seit drei Jahren in Uganda mit seinem Büschen aus Deutschland. Da er aus Pinneberg kommt, lautet sein rotes Kennzeichen: PI-CD-x. Die Änderung in den Fahrzeugpapieren hat er selbst vorgenommen und mit einem Kinderstempelsatz beglaubigt. An der Grenze oder bei Polizeikontrollen erzählt er immer, dass PI für "Police International" und CD für "Diplomat" steht. So braucht er keine Visa oder ähnliche Gebühren zu bezahlen. Uns rät er, sich als "Resistent" - in Uganda lebender Ausländer - auszugeben. Aus diesem Grund müssen wir dann auch Anstelle der 20 US$ pro Mann und Tag insgesamt nur 50.000 UShl. (ca. 50 US$) für sieben Tage zahlen.

Auf dem Rückweg fahren wir noch in Ischischa vorbei und verlängern unser Ugandavisum um einen Monat. In Kihiihi angekommen, lassen wir sofort den platten Reifen flicken. Zum Glück hat er im Gegensatz zu denen in Deutschland einen Schlauch. Danach erledigen wir noch einige Einkäufe und essen uns mal wieder mit leckerem Fleisch voll. Am Abend geht es dann mal wieder in die nette Milchbar, wo jeder von uns etwa drei Liter warme Milch getrunken hat. Dabei haben wir einige Runden "MauMau" gespielt, wobei wir sehr interessiert beobachtet wurden. Nach etwa einer halben Stunde gesellte sich dann ein Afrikaner zu uns und fragte, ob er mitspielen dürfe. Wir sagten natürlich nicht nein. Zu unserer Schande hat er danach von etwa zehn Runden acht Spiele gewonnen. - Gratulation -

 

 

Heute verlassen wir auch Kihiihi. Vor uns liegen 52 km Geröllpiste. Uwe hatte uns zwar den Weg erklärt, aber ohne Wegweiser ist dies ein ziemlich schwieriges Unterfangen. An jeder Kreuzung fragen wir drei unabhängige Leute nach dem richtigen Weg (Ein Tipp von Uwe: "Frage immer mind. drei Schwarze!"). Dies müssen wir machen, da die Einheimischen die Angewohnheit haben immer ja zu sagen, auch wenn sie die Frage nicht richtig verstanden haben. Nach etwa vier Stunden und mit dem letzten Tropfen Sprit erreichen wir Rukungiri. Wir haben Glück, denn nach längerer "Trockenzeit" ist am Vormittag ein Petrolwagen eingetroffen. Es wird noch schnell Geld gewechselt, wobei uns ein Bankangestellter privat den besten Kurs bietet. Der Tank und der Reservekanister werden bis zum Rand mit Sprit gefüllt, denn wir haben keine Lust noch einmal in eine so missliche Lage zu geraten. Hätten wir aber dann Uwe kennengelernt?

Und wo würde da das Abenteuer bleiben ? Nach einer kleinen Stärkung geht es weiter. Trotz der asphaltierten Straßen tun sich öfters ziemlich riesige Löcher und "Bums" (Hubbel) auf. Aus diesem Grund können wir nicht heizen und erreichen erst um 19.00 Uhr in der Abenddämmerung den Nationalpark. Da kein Wärter an der Pforte ist, fahren wir direkt weiter zum "Camp-Side-II" und schlagen dort unser Zelt auf. Der Zeltplatz liegt direkt am "Lake Edward" auf einem kleinen Plateau.

Von dem Brüllen der Flusspferde werden wir in den Schlaf gesungen.

 

 

Wir standen schon vor Sonnenaufgang auf, um auf Elefantenjagd zu gehen. Nach etwa einer Stunde trafen wir auf die erste fünfrüsslige Elefantenfamilie. Wir stiegen aus dem Auto aus und näherten uns dem Bullen von hinten. Er schien sich wegen irgend etwas zu schämen und steckte die ganze Zeit seinen Kopf in einen Busch. Wir versuchten ihn auf uns aufmerksam zu machen. Nur kurzfristig schaute er sich nach uns um. Diese Gelegenheiten nutzten wir um drei Fotos aus nächster Nähe zu schießen. Aus irgendeinem Grund löste immer das Blitzlicht der Kleinbildkamera aus. Beim dritten Mal war es dem Bullen scheinbar zu viel. Er trompetete kräftig und begann auf uns loszustürmen. Nun konnte uns nichts mehr halten. Wir zeigten ihm unsere Fersen, jumpten ins Auto wo wir sicherheitshalber den Motor laufen gelassen hatten und gaben Vollgas. Das war sehr knapp, denn der Elefant kam wie ein Wilder hinter uns her. Zum Glück ließ er nach wenigen Metern von uns ab und verdrückte sich wieder in Gebüsch. Nach diesem Schrecken mussten wir uns erst einmal wieder erholen. Notgedrungen sonnten wir uns ein bisschen, denn der Schatten war während der Mittagszeit sehr rar und sogar im schattigen Zelt konnte man es vor Hitze nicht aushalten. Den schönen Abend von gestern mussten wir natürlich wiederholen.

 

Das Wetter ist vollkommen umgeschlagen. Der Himmel ist von rasenden, grauen Wolken verhangen und zeitweise kommen auch einige Tropfen herunter. Wir machen uns trotzdem in der Morgendämmerung auf, um diesmal nach Löwen Ausschau zu halten. Leider haben wir außer Antilopen und Büffeln nichts gesehen. Aufgrund des schlechten Wetters sind wir dann in einen nahegelegenen Ort gefahren und haben uns noch einmal mit Lebensmitteln eingedeckt. Danach wollten wir uns die Straße durch den Nationalpark Richtung Ischischa anschauen. Nach einigen Kilometern sind wir dann rechts abgebogen und in "Fishing Village" gelandet. Wir der Name schon sagt leben hier nur Fischer, die mit ihren Ruderbooten auf den "Lake Edward" zum Fischen rausfahren. Der Dorfälteste hat uns sehr herzlich empfangen. Während eines heftigen Schauers kam uns dann die Idee, wie wir ein wenig Geld verdienen könnten. In einem sehr ausführlichen Brief haben wir dann Uwe’s Bruder unsere Idee offengelegt. Wir wollen nächstes Jahr eine "Mountainbike Tour" durch das schöne Uganda anbieten:

"Mountainbike - Abenteuer - Safari in Uganda"

PS: Den Dorfbewohnern haben unsere Spezial-Bananeneierkuchen sehr gut geschmeckt. Als Dankeschön hat uns der Dorfälteste dann noch zu je einer Portion Manjiok eingeladen (schmeckt wie Kartoffeln).

Die Nacht durften wir vor dem Haus des Dorfältesten zelten.

 

Auch heute hat sich das Wetter nicht geändert. Der Himmel war noch immer tief mit dicken grauen Wolken verhangen. Durch den Regen waren die Matschlöcher noch größer geworden und wir hatten einige Probleme wieder zurück auf die Straße zu kommen. Zwar konnten wir die meisten Schlammlöcher umfahren, aber zwei-, dreimal war dies nicht möglich. Was blieb uns also anderes übrig als Gas geben, Augen zu und durch. Das war vielleicht eine Rutschpartie!!! Einmal stellte sich der Wagen dabei fast quer aber durch den letzten Schwung haben wir dann doch festen Boden unter die Reifen bekommen. Die Straße Richtung Ischischa sah besser aus. Sie war befestigt und leicht erhöht, so dass der Regen ablaufen konnte. Nach ca. 2 km Richtung Ischischa kamen wir an einem "Four-Weel-Drive-Jeep" vorbei, der im Graben lag. Die Insassen waren dabei, den Wagen wieder auf die Straße zu schieben. Wir fragten uns, wie wohl der Wagen in den Graben gekommen sein könnte. Nach 10 m wussten wir es. Durch den Regen war die Straße so rutschig, als wäre sie mit Schmierseife präpariert. Es war unmöglich den Wagen auf der Straße zu halten. Wie in Zeitlupe rutschten wir nun auch in Richtung Graben. Wir hatten allerdings das Glück, dass die Leute aus dem Jeep sehr nett waren und mit uns den Wagen wieder auf die Straße schoben. Der Wagen wurde noch um 180° gedreht und wir traten vorsichtig die Rückfahrt an. Noch kurz vor einem mächtigen Schauer erreichten wir die asphaltierte Straße. Von hier aus sind wir dann direkt nach Kasese durchgefahren und links in die Berge abgebogen. Durch den Wolkenschleier konnte man diese allerdings nicht erkennen. Trotz des schlechten Wetters sind wir noch für drei Stunden durch die Landschaft spaziert. Dies müssen wir morgen unbedingt wiederholen und einen der Berge erklimmen.

 

Das Wetter sieht nicht sehr vielversprechend für unsere Wanderung aus. Am Himmel hängen tiefe, graue Wolken und verdecken die Sicht zu den Bergen. Dieses Wetter hindert uns jedoch nicht daran, zur Bergtour aufzubrechen. Wir ziehen unsere Regenjacken gegen die sehr wasserhaltige Luft an und nehmen einige Bananen und den Wasserfilter mit auf den Weg. Der Anfang des Weges ist zwar sehr beschwerlich und die richtige Stimmung kam auch nicht auf. Erst als wir uns diese Abfahrt mit dem Mountainbike vorstellten wurde unsere Laune etwas besser. Gegen Mittag überwinden wir schließlich die Wolkendecke und von jetzt an haben wir einen herrlichen Ausblick. Wir suchen uns ein schönes Plätzchen und machen erst einmal Mittag mit Bananen und frisch gepumptem Wasser aus einem sprudelnden und glasklaren Bach. Nach gut zwei Stunden erreichen wir dann eine Wellblechhütte am Fuß des "Mt. Ruwenzori" 5109 m. Dies ist sicher der Startpunkt für die Expeditionen auf den Gipfel. Leider können wir diesen auch von hier aus nicht richtig sehen, da der Berg immer noch von einer dicken Nebelschicht eingehüllt war. Uwe meint den Gipfel erahnen zu können - ich konnte es nicht. Von hier an wird der Weg zu einem Pfad, der im Schnitt nur noch Handbreit ist. Die Bäume werden immer größer und das Dickicht immer dichter. Wenn man hier einen Fehltritt landet stürzt man erst einmal 20 m in die Tiefe. Dies wird uns dann doch zu heikel und wir kehren nach einigen hundert Metern um. Wir wollen es nicht dem Deutschen nachmachen, der letztes Jahr hier in den Tod gestürzt ist. Wie Uwe im Nationalpark erzählt hat, ist dies einer von zwei Deutschen, die letztes Jahr in Uganda gestorben sind. Der andere Deutsche ist nicht wie zuerst vermutet, von einem Löwen gefressen, sondern einfach von einem Auto überfahren worden. Auf dem Rückweg sehen wir noch ein paar Köhler, die aus den gefällten Bäumen Holzkohle machten. Holzkohle ist in Uganda der wichtigste Brennstoff zum Kochen. Leider wird dadurch der Wald immer weiter vernichtet. Aus reinem Übermut haben wir dann noch eine von den Eingeborenen benutzte Abkürzung genommen. Dieser Weg hatte ein Gefälle von mindestens 45%. Es wurde tierisch hart uns nach dem Abstieg noch auf den Beinen zu halten. Uns waren inzwischen die Knie so weich geworden, dass wir kaum noch in der Lage waren immer wieder den Schwung abzufangen, aber wir haben mindestens 30 Minuten gespart. Als wir wieder an der Polizeistation ankommen, werden erst mal wieder unsere Megapfannkuchen gebacken.

Nun das "Geheimrezept:"

Rezept: 2 Eier, Wasser, Mehl,

Maismehl, Zucker,

Salz, Backpulver glatt rühren und jede Menge

Bananen und Ananas unterheben.

In der Pfanne gebraten sind sie ein Gedicht.

Dies können auch die Kinder in dem Dorf bestätigen, die sich um die restlichen Eierkuchen geschlagen haben.

 

Wir stehen in aller Frühe auf um gegen 8.30 Uhr im Postoffice zu sein und nach Deutschland zu telefonieren. Leider kommt während des Frühstücks ein fein gekleideter Hotelbesitzer und unterhält sich mit uns. Er erzählt wie schön die Gegend doch ist. Vermutlich möchte er uns in sein Hotel locken, aber genau erfahren wir es nicht. Bei strömendem Regen bauen wir das Zelt ab und um nicht noch mehr Zeit zu verlieren nehmen wir den Hotelbesitzer die 10 km mit nach Kasese. Im Postoffice erfahren wir dann, daß wir für ein dreiminütiges Telefongespräch etwa 50.00 DM zahlen müssen. Dies ist uns allerdings zu viel und so machen wir uns im strömenden Regen auf nach Fort Portal. Der Tag wurde aber noch schwärzer. Nach etwa 20 km Fahrt auf einer schmalen Brücke fuhr uns ein mit mindestens 20 Personen beladener Pickup hinten drauf. Wir räumten sofort die schmale Brücke und fuhren links an den Rand. Die Leute winkten beim vorbeifahren, hielten aber nicht an. Wir waren natür-lich stinkwütend und versuchten das Kennzeichen zu notieren, was uns allerdings nur zum Teil gelang. Dann sprangen wir ins Auto und machten uns auf zur Verfolgungsjagd. Obwohl der Pickup mit Leuten und sonstigem überladen war hängte er uns ab. Nach etwa 5 km mach-ten wir schließlich an einer Polizeistation halt und erstatteten Anzeige. Die Polizisten machten auch brav ihren Eintrag im Proto-kollbuch, doch es schien keine Hoffnungen zu geben den Übeltäter ausfindig zu machen. Als ich noch einige Unterlagen aus dem Auto holen wollte, sah ich den Pickup die Straße runter kommen. Ich habe mich sofort auf die Straße gestürzt und den Wagen angehalten. Der Fahrer wurde ebenfalls mit zum Verhör genommen und nach viel hin und her haben wir uns darauf geeinigt, daß der Wagen sofort repariert wird und wir 15.000 UShl. erhalten. In der Reparatur-werkstatt wurde uns das Rücklicht repariert und die Heckklappe halbwegs wieder zurechtgebogen, so daß sie sich wieder vernünftig öffnen und schließen ließ. Bei dem Rücklicht haben sie sich sehr viel Mühe gemacht. Da es natürlich keine orginalen Ersatzteile gibt wird einfach ein Stück Plexiglas aus einem anderen Rücklicht ausgeschnitten und passend bei uns eingesetzt.
Durch diese Tortur kommen wir etwa sechs Stunden später in Fort Portal an und wie immer werden wir auf der Polizeistation freund-lich empfangen. Sie erlauben uns mit den Worten:
„No problem, you are free“ - die Nacht zu bleiben.

 

Am Vormittag haben wir einen Stadtrundgang durch Fort Portal gemacht und wie immer einen halben Liter heiße Milch getrunken. Um nicht die üblichen 50.00 DM für ein Telefonat zu bezahlen, hat Uwe ein Fax aufgesetzt und im Postoffice abgesendet. Dieses hat leider zu Hause sehr viel Wirbel verursacht. Den Nachmittag haben wir uns dann auf die Polizeiwache gesetzt und auf den Anruf gewartet. Wir nutzten die Zeit zum Tagebuch schreiben. Außerdem hielten wir noch einen schönen Plausch mit drei Österreichern, die hier einen Onkel besuchen und sich dabei die Gegend anschauen.

Durch diese Tortur kommen wir etwa sechs Stunden später in Fort Portal an und wie immer werden wir auf der Polizeistation freundlich empfangen. Sie erlauben uns mit den Worten:

"No Problem, you are free" - die Nacht zu bleiben.

 

Den ganzen Vormittag verbrachten wir vergeblich damit im Postamt auf den Rückruf aus Deutschland zu warten. Ein bisschen enttäuscht brachen wir am Nachmittag wieder Richtung Kampala auf. Nach wenigen Metern bemerkten wir aber ein Klappern von hinten. Wir machten zum Glück sofort halt und bemerkten, dass die Schrauben eines Hinterrades nicht richtig angezogen waren. Diese hatten wir am Vortag nicht richtig festgezogen, als wir von einem aufdringlichen Polizisten (der Bruder hatte eine Autowerkstatt) gestört wurden. Wir wollten nur kontrollieren woher das Schlackern des Lenkrades bei höheren Geschwindigkeiten kam. Nun nutzten wir die Gelegenheit und wechselten das Rad gegen das Reserverad aus. Und siehe da, das Schlackern war weg. Abends trafen wir in Kyanjojo ein, wo wir Hawaienschnitzel zubereiteten und jeder drei Tassen heiße Milch tranken.

Wir haben einen so schönen Zeltplatz in der Polizeisiedlung, dass wir uns entschließen einen Waschtag einzulegen und ein bisschen in der Sonne zu faulenzen.

 

Unerwarteterweise ist die Wäsche schon nach einem Tag trocken, und so geht es auf die anstrengende Etappe von über 100 km Schotterpiste nach Mubende. Kurz vor Mubende wird die Straße dann endlich besser. Sie muss vor kurzem neu gebaut worden sein, denn sie entspricht unserem deutschem Standard. In Mubende werden wir herzlich empfangen und können über Nacht bleiben. Nach der Zurückhaltung in Fort Portal werden wir mal wieder umlagert und nach allem möglichen befragt. Besonderes Gelächter ruft unser Kocher hervor, den wir vorher in den höchsten Tönen gelobt haben. Er hat mal wieder Ladehemmungen und spuckte hauptsächlich Ruß. Für unsere Bratkartoffeln brauchten wir deshalb über eine Stunde. Nach dieser peinlichen Vorführung bleiben die Afrikaner ganz gewiss bei ihren Holzkohlekochern. Kurz nach dem Essen haben wir uns dann zum Schlafen hingelegt.

 

Die Isomatten sind ja schön und gut, aber sie haben einen riesigen Nachteil. Die Polyesterschlafsäcke rutschen tierisch auf der Kunststoffoberfläche der Isomatten. Heute Nacht mussten wir das Zelt etwas in der Schräge aufbauen und so rutscht man während der Nacht immer die Schräge runter, die man von Zeit zu Zeit wieder hochkrabbeln muss. Dies nervt ein wenig, dennoch sind die Isomatten mit ihren knapp zwei Zentimetern Dicke recht bequem. Wir sind zeitig aufgestanden und ich bin in den Ort gegangen und habe alles nötige für Eierkuchen eingekauft. In dieser Zeit hat Uwe, wie jeden Morgen, für zwei Stunden seine Haare getrocknet. Nun ging es daran uns Verpflegung für Kampala vorzubereiten. Dazu haben wir eine riesige Menge Eierkuchen mit Bananen gebacken, wovon wir 20 in wiederverschließbare Büchsen verpackt haben. Um 12.00 Uhr beendeten wir schließlich unser Frühstück, was eher ein Brunch war. Nachdem wir noch schnell einen Kanister mit Wasser aufgefüllt haben ging es weiter Richtung Kampala. Durch die gut ausgebaute Straße haben wir die Strecke von 160 km in einer für Afrika unglaublichen Zeit von zwei Stunden geschafft. mit einigen Pausen waren wir dann um 16.00 Uhr an der Polizeistation wo wir die erste Nacht gezeltet haben. Es bedurfte einiger Überredungskunst und einiger Notlügen bevor sie uns erlaubten hier zu bleiben. Sie waren der Meinung, dass wir ohne Probleme Kampala heute erreichen konnten. Dies war ja auch richtig, aber wir wollten am nächsten Tag in aller Frühe dort ankommen. Nun hatten wir Zeit alles für den morgigen Tag vorzubereiten und noch einige Briefe zu schreiben. In diesem Ort schien es keine Milch zu geben, so dass wir einen Tee trinken mussten. Dazu haben wir einige sehr leckere Fleischspießchen gegessen.

 

Heute steht Kampala auf dem Plan und so sind wir extra früh aufgestanden. Zum Frühstück gab es dann die Pfannkuchen von gestern und dazu heiße Milch. Gegen 9.00 Uhr erreichten wir dann Kampala-City. Eine nette Frau ist mit uns gefahren und hat uns den Weg zum richtigen Ministerium "Ministry of Internal Affairs" gezeigt. Hier mussten wir hin um eine Erlaubnis "Deklaration" für die Ausfuhr (Fahrt nach Kenia/Tansania) des Wagens zu erhalten. Dazu mussten wir von den wichtigsten Unterlagen einige Kopien machen und 500 UShl. vorlegen. Uns wurde versprochen, dass die Unterlagen um 16.30 Uhr fertig sein werden.

Auf dem Weg aus dem Ministerium sprach uns ein gut gekleideter junger Mann in deutsch an. Wir waren völlig überrascht; sah man uns an, dass wir Deutsche sind? Später stellte sich heraus, dass unser Gegenüber uns auf gut Glück angesprochen hatte. Der junge Schwarze, man glaubt es kaum, war Prinz Edward von Uganda, der zeitweise in Deutschland studiert. Es entwickelte sich ein netter Plausch auf der Treppe. Danach sind wir zu Fuß ins Zentrum gegangen und haben einige Sachen eingekauft, und zwar eine Batterie für Uwe’s Uhr, einen Schraubenzieher, Kabel, Lüsterklemmen, 5 Päckchen Tee, 10 Päckchen Kaffee und ein Tuch. So ausgerüstet sind wir dann in die Post um für unsere Lieben ein Weihnachtspäckchen fertig zu machen. Allerdings stellte sich heraus, dass wir in Fort Portal den falschen Preis für ein Päckchen erfahren haben. Nun sollte das Päckchen über 50.00 DM kosten, also bedeutend mehr als der Inhalt. Wir nahmen die Sachen wieder mit und wollten unser Glück in Kenia versuchen. Nach dem Mittag habe ich dann noch ein Chemiebuch und Uwe zwei Bücher der Nachrichtentechnik gekauft. Diese sind hier bedeuten billiger als in Deutschland. Dabei trafen wir noch einmal den Prinzen und tauschten unsere Adressen aus.

Um 15.00 Uhr haben wir dann auf dem Ministerium nachgefragt, ob die Deklaration fertig ist. Jetzt sagte man uns, dass wir um 17.00 Uhr noch einmal vorbeikommen sollen. Wir setzten uns also ins Foyer und haben in den neuen Büchern geschmökert. Als um 16.30 unsere Deklaration noch immer nicht von einem anderen Ministerium zurückgekehrt war, machten wir uns langsam Sorgen. Sollte es heute nicht mehr klappen und müssen wir morgen noch einmal kommen? Nachdem wir noch ein bisschen Druck gemacht haben und für weiter 500 UShl. und neue Kopien, haben wir vom Boss persönlich eine Sonderdeklaration erhalten. Wir waren happy und verließen auf dem schnellsten Weg das Ministerium und Kampala. Erst in Lugazi hielten wir wieder bei einer Polizeistation an.

 

Auch diesen Morgen gibt es wieder Eierkuchen. Gegen 12.00 Uhr brechen wir Richtung Kenia auf. Auf dem Weg kaufen wir noch zwei geniale Hocker für je 2.00 DM. Damit haben wir in Zukunft die Möglichkeit, auch außerhalb des Wagens vernünftig zu sitzen. Mit der Fahrt haben wir uns recht viel Zeit gelassen und mehrere Pausen eingelegt und haben dabei auch die Quelle des Nils gesehen. Hier wird der Nil durch einen riesigen Damm gestaut und versorgt ganz Uganda und zum Teil auch Kenia mit Strom. Kurz vor der Grenze haben wir wieder eine gemütliche Polizeistation gefunden, die uns "Asyl" gewähren. Hier haben wir dann in direkter Nachbarschaft (1.00 m) eines stattlichen Bullen, Bratkartoffeln zubereitet und gegessen. Zum Glück war der Stier angekettet, da diese Stelle auch der beste Zeltplatz ist weit und breit war.

 

Einschub - Gesamteindruck

Wie Ägypten ist auch Uganda ein sehr schönes aber auch sehr kleines Land mit dichter Besiedlung. Im Prinzip gibt es in ganz Uganda keinen Ort, an dem man alleine ist, weil immer Einheimische in den Büschen stecken. Abgeschiedenheit und totale Wildnis findet man eigentlich nur in den Nationalparks. Die Bewohner von Uganda sind ein sehr freundliches, musikalisches und lustiges Volk, mit einer Offenheit, die die Deutschen leider verloren haben. Drittweltländer, wie Uganda sind bestimmt arme Länder, indenen aber Menschlichkeit und Gastfreundlichkeit hoch geschrieben werden. Sollten die Deutschen sich von Ihrer Gastfreundschaft ernähren, so wären sie vermutlich schon seit langem verhungert. Es stellt sich die Frage, welche Länder "wirklich" arm sind! Vermutlich müssen wir den materiellen Reichtum in unseren Industriestaaten mit Menschlichkeit bezahlen und viel leicht haben wir für unseren "Reichtum" schon zu viel bezahlt!

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