Informationen zu Rosenöl

Rosenöl wird aus den Blütenblättern der Ölrose (Rosa damascena) gewonnen und ist mit einem Preis von bis zu 10.000 Euro pro Kilogramm eines der teuersten ätherischen Öle. Die Ölrose ist seit dem Altertum bekannt und wird auch "Damaszener Rose" oder "Rose von Schirasch" genannt. Das Rosenöl wurde damals durch Extraktion mittels fetter Öle gewonnen. Die Destillation von Rosenöl wurde erstmalig im 8. Jahrhundert nach Christi in Persien beschrieben und erstmals im 10. Jahrhundert in Europa durchgeführt.

(c) Selbst erstelle Strukturformeln der 3 Hauptinhaltsstoffe von Rosenöl

Zusammensetzung von Rosenöl:

35-55% (S)-Citronellol (linksdrehend), 30-40% Geraniol, 5-10% Nerol, Ethanol, Phenylethylalkohol, L-Linalool, Citral, Carvon, Eugenol, Eugenolmethylether, Farnesol, höhere aliphatische Kohlenwasserstoffe und Aldehyde, ferner Fette, Gerbstoffe, Äpfelsäure, Bernsteinsäure. Bisher sind insgesamt schon über 300 Inhaltsstoffe des Rosenöls identifiziert worden

Rosenanbau

Persien ist der Ursprung des Rosenanbaus und erst im 17. Jahrhundert wurden auch in Indien, Nordafrika und der Türkei Rosen angebaut. In Europa begann der Rosenanbau im Jahr 1710 in Bulgarien, damals Teil des Osmanischen Reichs.

In der Stadt Grasse gilt als Welt-Hauptstadt des Parfüms und besitzt eine lange Tradition in der Gewinnung von Rosenöl. In Frankreich werden jährlich etwa 300 Tonnen Rosenblütenblätter verarbeitet.

Heutzutage werden jährlich etwa 900 kg des Rosenöls in Bulgarien gewonnen, was etwa 45% der weltweiten Produktion entspricht. Weitere große Anbauländer sind Moldawien, Türkei, Marokko und Indien.

Rosenöl Ausbeute

Da die Ausbeute des Rosenöls in den Rosenblüten über den Tag durch die höheren Temperaturen am Tag um bis zu 70 % abnimmt, ist die beste Erntezeit während den frühen Morgenstunden zwischen 4 und 9 Uhr. Die Rosenblüten enthalten dennoch zu dieser Zeit nur einen Anteil von 0,02-0,05 Prozent an Rosenöl. Dies bedeutet, dass 1000 kg Rosenblüten nur etwa 200-500 g Rosenöl enthalten.


Gewinnung / Destillation

Das Rosenöl wird aus den Rosenblütenblättern durch die sogenannte Wasserdampfdestillation gewonnen. Hierzu gibt es viele unterschiedliche Konstruktionen, wobei auf der rechten Seite eine Wasserdampfdestillation nach Leonardo (Leonardo-Destille) abgebildet ist. Die Blätter der Rosenblüten werden in den Korb oberhalb des Wasserreservoirs eingefüllt. Das möglichst weiche Wasser wird bei Raumdruck erhitzt und der Wasserdampf durchdringt das Pflanzenmaterial. Dabei werden die wasserlöslichen Bestandteile aus den Rosenblüten gelöst, wie beispielsweise Ketone, Alkohole, Oxide, Hydrocarbonate, Aldehyde und Acetate. Da diese organischen Verbindungen leichter wie Wasser sind, werden diese vom Wasserdampf in den oberen Teil der Destille transportiert. An der Kühlkuppel kondensiert der Wasserdampf mit dem Rosenöl und läuft über das Dampfrohr in den Auffangbehälter. Das Kondensat wird auch als Hydrolat oder "fettes Wasser" bezeichnet und enthält das ätherische Rosenöl als milchige Flüssigkeit.

(c) Selbst erstelle Grafik zur Gewinnung von Rosenöl durch Wasserdampfdestillation, Dekantation und Filtration

In der ersten Phase der Destillation wird das „grüne Öl“ erhalten, die hochwertigste Form des Rosenöls. Dieses Öl besitzt die höchste Konzentration an ätherischen Inhaltsstoffen und den intensivsten Duft nach frischen Rosen. In der zweiten Stufe der Destillation wird das „gelbe Öl“ gewonnen, welches nicht so hochwertig wie das „grüne Öl“ ist und etwas schwächeres Rosenaroma besitzt. Zur weiteren Aufarbeitung wird das Rosenöl vom überschüssigen Wasser durch Dekatieren abgetrennt. Hierzu wird beispielsweise ein Florentiner Topf )(alternative Bezeichnung: Florentiner Flasche oder Florentiner Vase) verwendet, wobei sich das Rosenöl oberhalb der wässrigen Phase absetzt und das Wasser unten abgelassen werden kann. Sollte das erhaltene ätherische Öl noch Feststoffe enthalten, so werden diese durch Filtration abgetrennt.

Verwendung von Rosenöl

Durch die besondere Duftnote wird Rosenöl gerne als Bestandteil von hochwertigen Parfüms verwendet. Bei der Parfümherstellung wird nur das Jasminöl häufiger eingesetzt. Im Islam wird Rosenwasser eine besondere Bedeutung zugeschrieben und gerne zur Reinigung und Besprühung der Gäste verwendet.

Rosenöl wird durch seine entspannende Wirkung zu therapeutischen Zwecken in der Aromatherapie verwendet. Auch als Raum-Duft wirkt Rosenöl beruhigend und kann über handelsübliche Diffusor verdampft werden.

Auch Lebensmitteln werden Rosenöle für einen einzigartigen Duft zugesetzt. Schon die Römer setzten Rosenöl den Wein zu. Heutzutage sind Zucker-, Schokoladen-, Tabakwaren und Liköre mit Rosenduft erhältlich.

Neben dem ausgeprägten Duft wird dem Rosenöl auch in der Hautpflege und Medizin verwendet. Dem Rosenöl werden unter anderem antibakterielle, harntreibende, blutstillende, bakterizide und verjüngende Eigenschaften zugesprochen. In der arabischen Medizin wird bei Verdauungsstörungen mit Rosenöl versetzter Zucker und Rosenwasser bei Augenkrankheiten eingesetzt.


Rosenwasser

Arbeitskreis Prof. Dr. H. Ritter

(c) Selbst erstellte Strukturformel

Als Rosenwasser bezeichnet man die wässrige Phase des kondensierten Hydrolat. Es ist prinzipiell das Nebenprodukt der Rosenöl-Destillation. Durch den intensiven und sehr typischen Rosenduft wird es auch gerne verwendet. Der starke Duftwirkung verdankt das Rosenwasser der wasserlöslichen Verbindung 2-Phenylethanol.

Synthetisches Rosenöl

Begründet durch den hohen Preis sind auch chemisch synthetisierte Rosenöle im Handel erhältlich und mit einem Preis von etwa 70 Euro pro Kilogramm sehr kostengünstig. Je nach Qualität können diese synthetischen, nichtnaturidentischen Rosenöle dem Original recht nahe kommen aber nie die Fülle und Komplexität von einem durch Destillation gewonnenem Rosenöl entsprechen.


Sonstiges zu Rosen

Rosenöl im Grimmschen Wörterbuch

Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm wird Rosenöl (oleum rosarum, rosaceum) als kostbares, wohlrichendes Öl, welches, besonders im Orient, aus Rosen gewonnen wird, beschrieben. Verwendung findet es beispielsweise zum Stillen des außerlichen Blutflusses mit einem Pflaster mit Myrten-, Rosenöl und Essig soviel nötig ist. Alternative Bezeichnungen und regionale Mundart Begriffe für Rosenöl sind unter anderem:

  • rosenole
  • rosenal
  • oleum rosarum
  • rodolium
  • rôsenöl
  • rôsöl
  • roszöl

Rosenöl in der Literatur

Die Rose ist in der Lyrik und Poesie die am häufigsten verwendete Blume. Jedoch kommt auch der Begriff Rosenöl häufiger vor.

...hab ich gemacht mit ganzem Fleiß, Rosenöl und auch ugent; So sehen auch die Leut...

Someone famous in Fastnachspiel von Klaus Ridder

...weissagt nahe Gewitter. Denn wie des Rosenöles Gedüfte dem verschlossenen Bernstein geistig entfliegt, so strömt' ...

Johann Heinirch Voss, Idyllen 1802, Seite 142

... Wacht der strengen Dornen, sieh, wie lange blühen wir? Tauch' in Rosenöl die Locke, und sie duftet ewig dir. ...

Wilhelm Müller, Gedichte, 1906, Seite 347-349

...Wolken Staubs behend vorüber, mehr als Moschus sind die Düfte und als Rosenöl dir lieber. Staub, den ...

Johann Wolfgang von Göthe, Poetische und prosarische Werke 1845, Seite 304

...So fein und weich wie Seiden! Es duftet süß wie Rosenöl, Sie weinte drauf beim Scheiden. ...

Emanuel Geibel, Werke, 1918, Band 1, Seite 347-349