Mit der neuen TamTam Richtung Heimat

Sonntag, 01.03.1998

Bei den ersten Sonnenstrahlen entschließen wir uns, dass es Uwe wieder gut geht und so kehren wir nach Ampenyi zurück. Noch immer schlafen einige Dorfbewohner auf der Straße, es war wohl sehr feuchtfröhlich und so müssen sie ihren Rausch ausschlafen. Um zehn Uhr trifft Silke mit unserer neuen und sehr schönen Bongo ein. Sie wurde von ihrem Freund gebaut, der auch schon Bongos (hier auch TamTam) an bekannte Musiker verkauft hat. Ich denke wir haben mit 100.000 Cedi (ca. 80,- DM) einen guten Kauf gemacht.

Nun verabschieden wir uns von allen und tauschen noch schnell die Adressen mit Silke aus. Um 11.00 Uhr brechen wir auf, verabschieden uns noch vom Chief und geben dann Vollgas Richtung Côte d'Ivoire (ehemals Elfenbeinküste). Die Straßen sind weitgehend gut befahrbar, bis auf ein kleines Stück hinter Takoradi. Etwa 100 km vor Elubo muss man hinter einer Rubberfabrik an einer unbeschilderten Abzweigung nach links abbiegen. Auch hier kommen wir sehr gut voran und schon nach 40 Minuten können wir sehr unkompliziert die Grenze überqueren. Weiter geht es durch fast unendlich lange Ananas- und Palmplantagen. Durch das bestehende Überangebot an Ananas werden diese einem fast nachgeschmissen.

Stau vor Abidjan

Wer hätte es gedacht, etwa 30 km vor Abidjan kommen wir in unseren ersten Stau in Afrika. Hier scheint nun voll die französische Mentalität durchzukommen. Trotz des Gegenverkehrs wird überholt, dieser muss schließlich über den Seitenstreifen durch den Sand fahren. Nun wie hätte es anders kommen können, jetzt stehen wir hier also zweispurig im Stau. Und man glaubt es kaum, es gibt doch tatsächlich Leute, die nun auch noch den Seitenstreifen auf der Gegenseite zum Überholen benutzen. Das Chaos ist also perfekt, wo haben diese Leute denn nur ihren Verstand gelassen, es kann doch so nicht klappen. Es ereignen sich unzählige Unfälle, die den Stau nur noch verschlimmern. Vielleicht darf man hier nicht die deutsche Spießigkeit als Maßstab ansetzen und kann sich nur wundern und einfach schmunzeln.

Etwa 17 km vor dem Zentrum liegen links von der Straße zwei Campingplätze. Wir checken auf dem sauberen, von Franzosen geführten "Les Cocotiers" ein.

Montag, 02.03.1998

Die Campingplatzbesitzerin erklärt Uwe und mir genau den Weg in die Stadt. Mit Sammeltaxi und Taxi kommen wir gut in der Stadt an und finden auch ohne Probleme die Botschaft von Mali. Hier ist das Visum innerhalb von 2 Tagen fertig und soll nur noch 100.000 CFA und 2 Passfotos kosten. Leider gibt es in der ganzen Stadt nur eine Bank, die auf die Mastercard Geld auszahlt. Nach einer ziemlich langen Wartezeit erfahren wir, dass dabei 17.500 CFA (knapp 60,- DM) Gebühren anfallen. Nach mehrmaligem ungläubigen Nachfragen verlassen wir dann fluchtartig die Bank. Bei der BICICI-Bank erhalten wir schließlich mit der Visacard und ohne Gebühren das benötigte Geld.

Nach einer guten Pizza fahren wir wieder zurück an den Strand, der leider lange nicht so schön ist wie in Ghana. Er ist dreckig, ziemlich steil und die Brandung ist hammerhart. Man muss ganz schön aufpassen, dass man nicht auf den Strand geschleudert wird und dabei die Orientierung verliert. Später gibt es noch ein Bongokonzert am Strand, wobei wir uns allerdings nicht trauen unser Können zu zeigen (haha), aber unsere neue Bongo findet großen Anklang.

Dienstag, 03.03.1998

Am nächsten Tag holen Uwe und ich in Abidjan unser Visum ab und ordern ein weiteres Mal Geld. In der Warteschlange kommen wir mit einem Schwarzen ins Gespräch, der ziemlich gut Deutsch spricht. Dabei erfahren wir, dass er im Moment einen Deutschkurs belegt und demnächst BWL in Mainz studiert. Was für ein Zufall, da Thomas ja höchstwahrscheinlich auch nach Mainz gehen wird. Wir tauschen die Adressen aus und verabreden uns zu einem Kaffee nach unserer Rückkehr.

Mittwoch, 04.03.1998

Mittlerweile haben wir die Hoffnung aufgegeben Jon doch noch zu treffen. Er wird wohl ziemlichen Spaß aber auch große Probleme mit Linda und ihren Papieren haben.

Größenwahn in Afrika

Frohen Mutes brechen wir schließlich zu unserer letzten Etappe Richtung Norden auf. Leider muss dabei Abidjan durchquert werden, was sich als schwieriger herausstellt als eine Wüstendurchquerung. Nach einer gut dreißigminütigen Irrfahrt mit Simba durch das Chaos der Großstadt gelangen wir schließlich über eine als Schrottplatz getarnte Auffahrt auf die vierspurige Autobahn nach Yamoussoukro. Gemütlich geht es in den Norden. Direkt bei der Ortseinfahrt merken wir aber: "Dies ist keine typisch afrikanische Stadt". Über eine sechsspurige Chaussee, an deren Rand eine Laterne an der anderen steht, kommen wir in der Verwaltungshauptstadt an. Wir passieren ein futuristisches Hotel, den Königspalast, eine riesige Moschee und natürlich den eins zu eins nachgebauten Petersdom.

Nachbildung des Petersdoms

- Nachbildung des Petersdoms -

Die Afrikaner spinnen einfach nur, kein Geld aber solche pompösen Bauten. Da die Haushaltskasse nach der Fertigstellung des Notre Dame de la Paix (Petersdom) ratzekahl leer war, musste der Vatikan einspringen und die jährlichen Unterhaltskosten von etwa 1 Million übernehmen.

Es geht weiter bis etwa 40 km hinter Daloa. Die etwa 450 km Tagespensum über relativ gute Asphaltstraßen waren dabei easy. Hier werden wir von sehr freundlichen Einwohnern von Korea I eingeladen in ihrem Ort zu übernachten. Einer der Schwarzen kann etwas Englisch und so entwickelt sich ein kleines Palaver, das allerdings häufig ins Stocken gerät. Eine Portion mehr Französisch wäre einfach nur gut gewesen. Zum Abendessen werden wir zu sehr leckeren Kochbananen und Fisch eingeladen. Im Gegenzug spendieren wir ein Baguette mit vegetarischer Paste. Zuerst treffen wir auf wenig Skepsis, aber als der Vorkoster es als gut empfunden hat, werden die restlichen Stücke mit großer Begeisterung verzehrt. Die Eingeborenen freuen sich mal eine wirkliche Abwechslung in ihren wahrscheinlich relativ eintönigen Speiseplan zu haben. Das Dankeschön in Form von Gras lehnen wir natürlich ab. Wir gehen zeitig ins Bett, können aber durch die lauten Kinder lange nicht einschlafen.

Zwischenstop am Mount Tonkoui

Donnerstag, 05.03.1998

Wie der Abend so der Morgen, die Kinder unterhalten sich ziemlich laut direkt neben unserem Bus und so stehen wir zeitig auf. Nach der allgemeinen Verabschiedung brechen Uwe und ich um 6:30 Uhr auf. Wenig später kommen uns mehrere Vogelscheuchen entgegen. Tatsächlich (!) sie gehen direkt auf der Straße, geraten wir direkt in einen Voodoozauber? Später erfahren wir, dass morgen in Man ein Maskenfestival stattfindet.

In Duekove biegen wir wieder rechts ab Richtung Norden. Hier wird die grüne Vegetation durch schwarze Felsen unterbrochen. Diese mystisch anmutenden Monolithe sehen aus, als wenn sie vulkanischen Ursprungs sind. Rund um Man wird es dann immer bergiger. Wir entschließen uns ein wenig in dem Ort umzuschauen, aber durch den morgigen Umzug wird es mal wieder ziemlich chaotisch.

Cascades

- Cascades bei Man -

Jeder will uns seine Hilfe anbieten (z. B. auf Auto/Bikes aufpassen) und für uns morgen als Guide fungieren. Darum entschließen wir uns direkt zu den Mount Tonkoui aufzubrechen. Dazu verlassen wir die Stadt Richtung Süden und biegen an der Tankstelle nach rechts ab. Nach der Überquerung der nächsten Kreuzung gelangen wir direkt auf die Piste zum Wipfel des Berges. Diese ist ziemlich gut ausgebaut, da sich dort ein Sender befindet. Der Berg ist bis zum Gipfel über und über begrünt, beeinträchtigt aber neben dem Harmattan (Saharastaub) den Ausblick. Wir müssen uns also mit den naheliegenden, aber auch atemberaubenden Schönheiten der Landschaft begnügen und genießen den Rest des angebrochenen Tages. In der Nähe der Präsidentenvilla und einem kirchlichen Sender schlagen wir unser Nachtquartier auf.

Freitag, 06.03.1998

Um noch ein wenig die Landschaft genießen zu können, fahren wir sehr gemütlich die Piste den Berg herunter. Zwischendrin besichtigen wir noch die Chutes de Cascades, die leider kein Wasser führen. Die Benutzung der in diesem Moment ziemlich nutzlosen Lianenbrücke kostet pro Person 500 CFA. Wir geben diese kleine Spende gerne und hoffen, dass mit ihr das total verfallene Café wieder aufgebaut wird. Beim Kraxeln in nicht allzu hoher Höhe werden wir an unsere Kindheit mit Baumhäusern und ähnlichen Hängebrücken, wie z. B. auf dem Spielplatz in der Rheinaue (Bonn – Bundesgartenschau) erinnert. Auf der Hauptstraße biegen wir links Richtung Touba und Odienné ab.

Die erste Bestechung

Trotz stark zunehmender und immer peniblerer Kontrollen kommen wir gut voran und in Odienné tanken wir noch mal und decken uns auf dem spärlichen Markt mit wenigen Lebensmitteln ein. Am Nachmittag geht es dann über 60 km Piste bis zur Grenze. Uwe ist mit Fahren dran und an der Grenze erreichen die Kontrollen ihren finalen Höhepunkt, alle Papiere werden bis aufs Kleinste kontrolliert. Wer hätte es nach fünf Monaten und Hunderten von Kontrollen noch gedacht, dass dem Grenzbeamten tatsächlich unsere eigenhändige Korrektur der Gültigkeit des internationalen Führerscheins auffällt.

Der Grenzbeamte will uns nicht über die Grenze lassen und gibt uns natürlich auch nicht mehr unsere Papiere zurück. Er meint wir müssen die 60 km zurück in den nächsten großen Ort und dort unsere Strafe wegen Urkundenfälschung oder so etwas Ähnlichem zahlen. Wir reden uns die Zunge wund, flehen, bitten und lügen, aber es hilft nicht. Wir haben auch Angst mit Bestechung zu beginnen, da dies nach unserem Reiseführer zu noch ernsteren Problemen führen kann. Also verrinnt so die Zeit und es fängt schon so langsam an zu dämmern. Endlich gibt er uns einen Wink mit dem Zaunpfahl, er darf ja keine "Gifts" (Geschenke und Bestechung) annehmen, aber für eine Unterstützung unter Freunden wäre er offen. Nach weit mehr als einer Stunde einigen wir uns auf 1.000 CFA und eine halbe Aspirinpackung und sind froh endlich die Grenze passieren zu können.

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